Ostende – Vorplatz des Schwimmbads

Eine edle, elegante Kreation aus individuell gestalteten SHUFFLE-Leuchten wird zum unverwechselbaren Wahrzeichen dieser dynamischen Küstenstadt

Man nennt die belgische Stadt Ostende an der Nordsee auch die „Königin der Strände“. Die Stadt mit ihren rund 72.000 Einwohner*innen ist dank der vielen Sehenswürdigkeiten ein beliebter Urlaubsort für Touristinnen und Touristen aus dem In- und Ausland. Die Stadt ist nicht nur ein Badeort, sondern auch ein Ort der Kunst und Kultur. Sie ist von schöner Natur umgeben und bietet zahlreiche Sport- und Freizeitmöglichkeiten. Ostende verfügt auch über einen großen Hafen, der in puncto Energiewende Vorbildcharakter hat.

Dieser modernen, dynamischen Stadt gelang es, eine starke Identität zu schaffen. Diese Leistung ist dem entschlossenen Einsatz der örtlichen Behörden zu verdanken, deren Ziel es war, den öffentlichen Raum sorgfältig zu entwickeln und für Einwohner*innen und Besucher*innen gleichermaßen vielfältige Angebote bereitzustellen. Neben den herrlichen Stränden hat die Stadt zahlreiche Naturpfade angelegt, die sich zu Fuß oder mit dem Fahrrad erkunden lassen.

Die Stadtverwaltung legt großen Wert darauf, Kunst nicht allein auf Galerien und Museen zu beschränken. Regelmäßig werden Kunstwerke für den öffentlichen Raum in Auftrag gegeben, wie etwa das „Crystal Ship“, das die Stadt zur Open-Air-Galerie mit gigantischen Wandmalereien bekannter belgischer und internationaler Künstlerinnen und Künstler gemacht hat. Es herrscht die feste Überzeugung, dass Kunst im städtischen Raum Diskussionen anstößt, sozialen Zusammenhalt schafft und sowohl die Besucher*innen als auch die Bewohner*innen dazu einlädt, die Stadt auf ganz neue Weise zu entdecken, auch Stadtviertel, die sie normalerweise wohl nie besucht hätten.

2021 eröffnete die Stadt ein neu gebautes öffentliches Schwimmbad mit einem modernen Vorplatz, der zum Eingang führt. Die Stadtverwaltung beauftragte das bekannte französische Lichtplanungsbüro Atelier JÉOL damit, ein Beleuchtungskonzept zu entwickeln, das diesem Platz eine charakteristische, elegante Identität verleiht, ohne ihn jedoch zu überladen. 

Zunächst hatte der Lichtdesigner Guillaume Jéol die Idee, die Beleuchtung auf dezente Weise in die Gebäudefassade des Schwimmbads und in die Sitzbänke zu integrieren, damit die freie Sicht auf das Gebäude erhalten bleibt. Da dies technisch nicht umsetzbar war, beschloss er, den entgegengesetzten Weg zu gehen und ein innovatives Konzept vorzuschlagen, das folgende Anforderungen erfüllt:

  • die Aufmerksamkeit der Passanten auf sich ziehen
  • ein neues künstlerisches Wahrzeichen der Stadt schaffen
  • eine harmonische Integration in die schlichte, elegante Umgebung erzielen.


Bewegung und Dynamik

Für dieses Kunstwerk schöpfte Guillaume Jéol Inspiration aus dem Wesen der Stadt und ihrer Umgebung. Wie in jeder Küstenstadt dominieren auch hier Wasser und Wind, die ständig in Bewegung sind, die Umgebung. Diese Bewegung zeigt sich dank der Arbeit der örtlichen Behörden auch in dieser dynamischen Stadt selbst. Das Wasser in einem Schwimmbecken ruht hingegen bewegungslos und wird nur dann aufgewirbelt, wenn Menschen in das Wasser eintauchen oder in ihm schwimmen. Beim Schwimmen werden die Gliedmaßen angezogen und dann wieder gestreckt. Für den Lichtdesigner war bald klar, dass er dieses Bild in seinem Projekt auf symbolische Weise darstellen wollte.

Es schwebten ihm dabei Lichtstelen unterschiedlicher Höhe vor, die in zwei Reihen und je nach Blickwinkel von der kürzesten bis zur längsten Stele oder umgekehrt angeordnet sind.

Northlaan 14
Ostende
Belgien

Kunde

Atelier JÉOL

Partner

Vergabebehörde: Oostende AGSO Mr Karel Vanackere - AG Stadsvernieuwing Oostende Kristof Billiet - Stadtverwaltungt Ostend
Beleuchtungsdesign: Guillaume Jéol, Atelier JÉOL
Lichtnetzbetreiber: Fluvius

Anfangs hatte ich das Ziel, dass der Vorplatz möglichst unbebaut bleibt und eine klare Sicht auf die Schwimmbadfassade aus weißem Backstein bietet. Doch das erwies sich letztendlich als nicht umsetzbar. Angesichts des Umfelds hatten wir keine große Wahl: Wir mussten die Beleuchtungselemente auf dem Platz anbringen. Daher dachten wir, dass wir in diesem Fall genauso gut auch ein künstlerisches Konzept schaffen könnten. Die Schwierigkeit lag darin, unaufdringlich zu bleiben, nicht in Kitsch abzugleiten und gleichzeitig eine Verbindung zum Sujet Wasser herzustellen, auch wenn diese nur Symbolkraft hat und bisweilen nur schwach zu erkennen ist. Alles Weitere muss sich in der Phantasie der Betrachter*innen abspielen!

Guillaume Jéol
Lichtdesigner - Atelier JÉOL

Um diese künstlerische Vision umzusetzen, suchte man beim Atelier JÉOL nach einer in unterschiedlichen Größen lieferbaren schlanken Stele, bei der die eigentliche Leuchte ganz oben angebracht ist. SHUFFLE erfüllte alle gestellten Anforderungen. Nachdem das richtige Modell gefunden war, mussten die Designer*innen noch sicherstellen, dass es technisch umsetzbar war, die einzelnen Stelen in unterschiedlichen Neigungswinkeln aufzustellen.


Die Leuchte erfüllt dank Umgestaltung spezifische Anforderungen 

Schréder STUDIO unterstützte die Designer*innen bei der Durchführung der erforderlichen technischen Studien, damit SHUFFLE-Stelen mit dem von den Kund*innen geforderten Neigungswinkel produziert werden konnten.

Neben der Form der Lichtstelen wurde auch deren Anordnung sorgfältig konzipiert. Um die Bewegung von Wellen nachzuempfinden, wurden auf der linken und der rechten Seite je fünf Lichtstelen in einem Viertelkreis angeordnet, um so die Kurve und die Gegenkurve der Wellen - allerdings aus horizontaler Perspektive - zu symbolisieren. Zudem bietet diese Anordnung von den Straßen aus betrachtet, die zum Vorplatz des Schwimmbads führen, jeweils unterschiedliche Ansichten.

Auch die Farben wurden aufgrund ihrer symbolischen Bedeutung ausgewählt. Als Material für die Stelen wurde Cortenstahl gewählt.
Dessen Farbe steht in starkem Kontrast zu der hellen Farbe des Bodens und des Schwimmbadgebäudes. Die Schutzabdeckungen der ersten vier SHUFFLE-Stelen sind blau wie das Wasser. Der aufmerksamkeitsstarke warme Farbton des Cortenstahls und der kühle Blauton bilden eine ideale Kombination, was für weiteren Kontrast sorgt. Die rostbraune Farbe des Cortenstahls ist auch ein dezenter Verweis auf die Skulpturen mit dem Titel „Stranger Rocks“ des Künstlers Arne Quinze, die auf dem benachbarten Seeheldenplatz zu sehen sind.

Für die Stadt Ostende geht es bei der Beleuchtung öffentlicher Räume stets um die angemessene Abwägung, Beleuchtungsstandards zur Gewährleistung von Sicherheit und Komfort einzuhalten und gleichzeitig die Gefühle der Menschen zu berücksichtigen, die die öffentlichen Räume nutzen. Bei Atelier JÉOL war man sich bewusst, dass der Einsatz blauer LEDs eine photometrische Herausforderung darstellt. Deshalb entschied man sich für ein abgestuftes blaues Licht, das zur höchsten SHUFFLE-Stele führt, die mit weißen LEDs ausgerüstet ist, damit die erforderlichen Beleuchtungsniveaus erzielt werden können.
 

Öffentliche Beleuchtung als entscheidender Faktor für die visionäre Gestaltung des öffentlichen Raums

Für die Stadt Ostende müssen die Leuchten und das Beleuchtungskonzept dem öffentlichen Raum dienen und die Gefühle unterstützen, die diese bei den Nutzerinnen und Nutzern auslösen. Sie dürfen nicht dominieren. Vielmehr sollen sie als Elemente dienen, die das Gefühl des Wohlbefindens im öffentlichen Raum steigern.

Die Beleuchtung des Schwimmbadvorplatzes ist hierfür ein sehr gutes Beispiel. Dieses symbolträchtige Kunstwerk verleiht dem Platz bei Tag und bei Nacht eine ganz besondere Note. Es fügt sich auf elegante, unaufdringliche Weise in die Umgebung ein und sorgt für eine harmonische Atmosphäre, in der jedes Element genau am richtigen Platz ist.

Die Beleuchtung öffentlicher Plätze bereichert die Wahrnehmung und sorgt für ein ganz bestimmtes Ambiente, und zwar nicht nur nachts, sondern auch tagsüber. Eine völlige Ausgewogenheit zwischen Tag und Nacht ist eine Kunst, die nicht nur designerische Kompetenz, sondern auch eine gewisse Unvoreingenommenheit erfordert. Ein solches Projekt lässt sich nur mit einem künstlerisch ambitionierten Designer und mit beharrlichen, mutigen Kommunalpolitikern realisieren.

Karel Vanackere
Process Director – Projektmanager – Autonomes Kommunalunternehmen für Stadterneuerung Ostende (AGSO)

Bei Schréder ist man besonders stolz darauf, dass diese Herausforderung, bei der eine kreative Vision in die Realität umgesetzt werden sollte, erfolgreich gemeistert wurde. Durch die Adaptation der SHUFFLE-Leuchte gelang es uns, den Erwartungen des Lichtdesigners aus technischer und aus photometrischer Sicht gerecht zu werden und ein neues unverwechselbares Wahrzeichen der Stadt zu schaffen.