Menschen und Beleuchtung: Jean-Paul Ojeil
Hinter jedem Unternehmen stehen die Menschen, die dort arbeiten. Seit mehr als hundert Jahren steht Schréder dank der Innovationskraft seiner Mitarbeitenden im Bereich der nachhaltigen Beleuchtungstechnik weltweit an der Spitze. In dieser Serie stellen wir die Menschen vor, die Schréder zu dem machen, was es ist. Dabei nehmen wir ihre Laufbahn, wichtige Projekte und ihre Gedanken zur Entwicklung der Beleuchtungstechnik unter die Lupe.
Schréder ist Marktführer in Nordamerika und stellt auf dem gesamten Kontinent Beleuchtungsanlagen für Tunnel, Autobahnen und Sportplätze bereit. Von den Tunneln unter dem Sankt-Lorenz-Strom bis hin zur Beleuchtung von Lawinenschutzgalerien in den Rocky Mountains liefern unsere Teams in vielen Teilen Kanadas sichere, attraktive Beleuchtungslösungen.
Jean-Paul Ojeil arbeitet seit 2017 bei Schréder und leitet die Photometrieabteilung von Schréder Nordamerika. Als Experte für die Berechnung der optimalen Beleuchtung für Straßen, Sportstätten, Tunnel und Großflächen ist er zum einen vor Ort im Einsatz, zum anderen unterrichtet er junge Ingenieur*innen im Fach Photometrie. Bislang hat er die Beleuchtung für mehr als 250 Sportplätze und Dutzende von Tunneln und Flughäfen konzipiert, und seine Begeisterung für optimale Beleuchtungslösungen ist deutlich zu spüren.
Ich war zunächst nicht im Beleuchtungsbereich tätig …
Ich wurde im Libanon geboren. Als ich neun Jahre alt war, floh meine Familie vor dem Bürgerkrieg nach Kanada. Für mich war diese Zeit wie ein Schritt aus der Dunkelheit ins Licht, da wir im Libanon aufgrund des Krieges meist keinen Strom hatten. In Kanada studierte ich Gesundheitswissenschaften und schloss mein Studium im Fach Telekommunikation ab. Ich war zunächst für ein beleuchtungstechnisches Labor tätig, da dort ein sicheres Netzwerk erforderlich war, das den Anforderungen der ISO 17025- Zertifizierung entsprach. Ich war von all der Technik fasziniert, die zur Prüfung von Leuchten eingesetzt wird.
Ich war schon immer sehr neugierig …
Seit meiner Kindheit fasziniert mich die Beleuchtung: Noch immer habe ich das Bild der Corniche, der Strandpromenade von Beirut, nach Einbruch der Dunkelheit vor Augen. Diese Faszination führte dazu, dass ich immer mehr Fragen stellte und schließlich im Labor arbeitete, wo ich die Leitung der Qualitätssicherung übernahm. Wir führten photometrische, elektrotechnische, kolorimetrische und viele weitere Tests durch. Bei der Kalibrierung der Geräte nutzten wir Leuchten von Schréder, und mir wurde schnell klar, dass diese sich durch ihre außerordentlich hohe Qualität auszeichnen. Eines Tages erlitt ich einen schweren Stromschlag von einer der Leuchten. Seither sage ich manchmal scherzhaft, dass mir die Marke Schréder sehr am Herzen liegt – denn dort habe ich jetzt eine Narbe.
2017 kam ich dann zu Schréder …
Zu dieser Zeit gab es viele Veränderungen in der Branche und ich kannte bereits viele Mitarbeitende von Schréder durch unsere Zusammenarbeit. Großartigerweise bot man mir bei Schréder die Möglichkeit an, im Bereich der Photometrie zu arbeiten und Beleuchtungsberechnungen und ähnliche Aufgaben durchzuführen, die mich begeistern.
Ich arbeite im Labor, aber auch im Feld …
Ich wurde als Anwendungstechniker eingestellt und führe daher viele Berechnungen und Studien durch. Dank meiner im Beleuchtungslabor gewonnenen Kenntnisse bin ich jedoch auch oft vor Ort auf den Baustellen, um zu kontrollieren, ob die Beleuchtungsanlagen korrekt installiert wurden, und um gegebenenfalls Fehler zu beheben. Und das ist absolut notwendig! Vor einiger Zeit haben wir die Beleuchtungstechnik für einen Flughafen in Texas geliefert. Wir installierten Leuchten des Typs OMNISTAR, damit das Bodenpersonal gute Sicht genießt. Eines Tages bekam ich jedoch einen Anruf, dass die Beleuchtung nicht hell genug sei. Also flog ich hin, um mir ein genaues Bild zu machen. Es stellte sich heraus, dass die Leuchten bei der Installation im falschen Winkel montiert worden waren und statt der Start- und Landebahnen das Dach beleuchteten!
Jean-Paul Ojeil hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Beleuchtung von Flughäfen zu optimieren. Er ist regelmäßig vor Ort, um sicherzustellen, dass die Beleuchtungsstärken korrekt sind (Foto vom Flughafen Halifax).
Mich begeistert es, Beleuchtungslösungen für Flughäfen zu realisieren …
Im Januar übernehme ich eine zusätzliche Aufgabe als stellvertretender Vorsitzender von IES RP37, dem Normenkomitee für Flughafenbeleuchtung in Nordamerika. Außerdem nehmen wir die Realisierung der Beleuchtungslösung für den Flughafen Calgary, einen der größten Flughäfen Kanadas, in Angriff. In der Vergangenheit stellten wir bereits die Beleuchtung von Toronto Pearson, dem größten Flughafen des Landes, bereit.
Wir führen viele Konferenzen und Schulungen durch …
Wir besuchen Ingenieurbüros und stellen unsere Produkte vor. Dabei steht jedoch nicht der Verkauf im Vordergrund, sondern vielmehr die Vermittlung eines Überblicks über die Photometrie und die Beleuchtungstechnik für die jungen Ingenieur*innen. Wir sind ein Beleuchtungsunternehmen und möchten die Einsparung von Energie fördern. Wir setzen uns für den Umweltschutz ein und möchten den Stromverbrauch senken und den Blauanteil im Licht reduzieren. Nordamerika kann viel von Europa lernen, wenn es um umweltfreundliche Beleuchtungstechnik geht: Wir möchten unsere Philosophie an die nächste Generation weitergeben.
Wir realisieren auch große Tunnelbeleuchtungsprojekte …
Der Louis-Hippolyte La Fontaine-Tunnel ist der größte Unterwassertunnel Kanadas. Momentan arbeiten wir an der Beleuchtungstechnik für diesen 1,5 Kilometer langen Tunnel. Auch für den 10 Kilometer langen Ville-Marie-Tunnel in Montreal haben wir die Beleuchtung realisiert. Dort gab es ein Problem mit den Treibereinheiten und den Leuchtensteuerungseinheiten, den Lumgates, die wir innerhalb von drei Tagen ersetzen konnten. Das war ein echtes Wunder! Beim Verkehrsministerium war man sehr froh, weil wir schnell und proaktiv reagierten und das Problem lösen konnten. Wir halten Wort.
Vor Ort im Ville-Marie-Tunnel: Unterstützung bei der Inbetriebnahme
Ich mag Herausforderungen …
Wir arbeiten gerade an einer Beleuchtungslösung für die Sportanlage der Long Island University. Sie befindet sich in New York City im Stadtteil Brooklyn. Direkt neben dem Spielfeld befindet sich ein Gebäude, sodass wir dort keine Masten aufstellen können. Ein Kollege und ich hatten eine Idee: Warum die Masten nicht einfach umdrehen und unter der Laibung des Gebäudes am Dach aufhängen? Vor dem Bau haben wir das Gewicht der Bauteile angegeben, und die Laibungen wurden entsprechend konstruiert. Herausforderungen mag ich besonders. Nur komplexe Projekte finde ich wirklich interessant...
Ich habe kein Lieblingsprojekt …
Mir liegen alle Projekte am Herzen. Ich zeige sie auch gerne meinen Kindern, die jetzt im Teenageralter sind, und sage ihnen: „Seht mal, das hat unser Team gebaut.“ Das ist das Tolle am Bauen: Irgendwann ist unsere Zeit auf der Erde zu Ende, doch unsere Projekte bleiben, sie sind eine Erinnerung an uns. Ich bin im Norden des Libanon geboren, in der Nähe der Stadt Baalbek. Noch immer wird darüber spekuliert, wer die historische Stadt gebaut hat und wie sie gebaut wurde... Bauen ist ein Akt der Erinnerung, und vielleicht werden meine Kinder eines Tages durch diese Parks und über diese Plätze gehen und sagen: „Schau, das hat mein Vater gebaut.“
Ein Projekt hat es mir aber schon besonders angetan …
In der Nähe der Kleinstadt Hope in der kanadischen Provinz British Columbia realisierten wir die Beleuchtungslösung für die Lawinenschutzgalerien entlang der dortigen Fernstraße. Das war sehr schön. Wir waren drei Wochen dort, ich fühlte mich wie im Paradies. Das Gebiet liegt hoch oben in den Rocky Mountains. Dort setzte im 19. Jahrhundert der Goldrausch ein. Es gibt so viele Geschichten darüber, wie die Goldgräber im Fraser River Gold gewaschen haben. Dort wurde auch Rambo I gedreht. Ein faszinierender Ort.
Bei Schréder herrscht echter Familiengeist …
Ich kann jederzeit die richtige Person erreichen, Fragen stellen und Kontakte knüpfen. Das Unternehmen hat mir meine jetzige Karriere ermöglicht. Manchmal arbeite ich 60 Stunden in der Woche, doch es macht mir Spaß, weil ich die Ergebnisse meiner Arbeit sehe.
Meine Vorgesetzten sind zufrieden mit mir, es herrscht eine Atmosphäre des Vertrauens, und wir arbeiten alle gerne zusammen.
Jean-Paul Ojeil gibt sein Wissen über Beleuchtung mit Begeisterung weiter
Mein Traum ist es, eines Tages im Libanon Beleuchtungsprojekte zu realisieren …
Die Lage dort scheint sich wieder zu beruhigen. Mein Traum ist es, zum Wiederaufbau des Landes beizutragen. Schréder hatte dort früher ein Unternehmen, und wer weiß, was die Zukunft bringt ... Die Corniche, die Autobahnen, der Flughafen von Beirut – es wäre toll, wenn ich eines Tages dazu beitragen könnte, sie wieder in altem Glanz erstrahlen zu lassen.
Doch ich könnte mich nicht von Kanada trennen …
Dazu bin ich hier zu sehr verwurzelt. Ich habe eine Frau an meiner Seite, deren Unterstützung, Geduld und Liebe meine Karriere zu dem gemacht haben, was sie heute ist. Meine Familie unterstützt mich sehr. Mit unseren beiden Kindern verbringen wir auch viel Zeit mit der Verwandtschaft, mit meinen Brüdern, Schwestern, Cousins und Cousinen. Nach dem Sonntagsgottesdienst essen wir oft zusammen oder veranstalten ein großes Grillfest. Wir haben auch zwei Hunde, Shadow, einen sehr eleganten Pudel, und Stella, die sich eher wie ein Tyrannosaurus rex in Gestalt eines Deutsch Kurzhaars benimmt. Ich liebe auch die Natur: Jagen, Fischen und Spazierengehen. Die Herbstlandschaft im Norden der Provinz Quebec ist einzigartig!
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